Mittwoch, 16. Mai 2012

Kinder.

Die Augen schreien. Uns gehört die Welt. Sie stehen auf der Dachterrasse, schmeißen Steine um die Wette. Sie wollen einen Ausflug machen. Auf zum Lotustempel. Mam, aj? Nahin, not today. We need to plan it. Aeroplane? Warum Pläne, wir brauchen Flugzeuge!
Sie nehmen uns bei der Hand, ziehen uns in ihre Häuser. Zeigen ihr Reich. Meist ein Zimmer, in dem die ganze Familie wohnt. Take a seat. Alle zusammen auf dem großen Bett. Erwartungsvolle Augen. Hindi ati? Tora, tora. Mit ein paar Brocken Hindi unterhalten.
Sie lunzen um die Ecke, lächeln schüchtern und sind schon wieder verschwunden. Wir werden von oben bis unten gemustert. Nicht auf unangenehme Art und Weise. Neugierig und erfreut.
Zunächst skeptisch über unsere Projekte, so möchte nun jeder einen Jutebeutel nähen und bemalen. Und wer hätte das gedacht, bei manchen lösen sie sogar den alten Rucksack oder Plastikbeutel ab. Auch die Traumfänger wurden zunächst genau gemustert. Sobald die ersten fertig sind und mit Stolz präsentiert werden, steigt das Interesse. Nach einiger Zeit scheinen sogar die Lehrer überzeugt, die unsere Ideen anfangs meist belustigt aufnehmen. Nun gestaltet sich unsere Arbeitszeit mit Mal-und Bastelaktivitäten. Gipsmasken, Freundschaftsbänder und Mandalas, gruselige Geister folgen bald.
In wie fern das Leben und die Entwicklung der Kinder dadurch geprägt wird, sei in Frage gestellt. Fest steht, dass es ihnen Freude bereitet, manch einer aus sich herauskommt und vor allem ein Austausch hergestellt wird. Sich annähern. Fremde Gesichter in vertraute verwandeln.   

Farbe.


Weiß. Bin ich nicht. Doch wie noch nie zuvor fühle ich mich so. Werde so eingestuft. Ich falle auf. Steche aus der Masse hervor. Meine Haut verrät mich. Herkunft. Woher kommst du? Aus einer vollkommen anderen Welt, so scheint es mir manchmal. Kultur. Mode, Schönheitsideale, Essen, Musik, Tanz. Vielfalt. Doch so ähnlich. Fair and Lovely. Werbung. Schritt für Schritt weißer werden. Wozu?  Reichtum zeigen. Vielleicht. Braungebrannt aus dem Urlaub zurück. Deine Farbe hat sich verändert. Begeisterung nur meinerseits. Gegenfrage. Warum braun werden wollen? Hell, dunkel. Nur im Vergleich. Zugehörigkeit. Doch nicht nur durch unsere Hülle. Leben. Wir sind bunt. Schwarz und Weiß. Unbunte Farben.  

Tage, wie dieser.


Den Boden unter den Füßen verlieren. Wort wörtlich. Auf die Fresse fliegen. So kann es gehen, wenn auf den Treppenstufen eine hinterhältige Lache Wasser auf mich wartet. Ich verfluche die liebenswerten Nachbarn, die Pflanzen, warum brauchen die auch Wasser, auf dem ich ausrutschen könnte, sowie die harte Steintreppe, die den Sturz nicht gerade abfedert. Kurz vor Schmerz aufstöhnen, reiß dich zusammen auf zum Postoffice. Die Post. Der Verein inkompetenter Mitarbeiter, die auch noch viel zu viel Geld verlangen für ihren beschissenen Service. weltweit, so scheint es mir. Und welch Glück, ich gerate auch noch an den Chef aller Volldeppen. Es könnte so einfach sein, Briefe abgeben, zahlen, den Tag zu Hause an mir vorbeiziehen lassen. Nicht mein Tag. Halbe Stunde von Schalter zu Schalter rennen, ich möchte zahlen. Lunch. Nein, die Kunden werden nicht noch kurz fertig bedient, denn es ist Mittagspause. 30 Minuten, dem Fettsack auch noch beim Essen zuschauen. Lächerlich! Wütend gehe ich raus, verfluche für einen kurzen Moment ganz Indien, nein, falsch, du bist nur stinksauer auf den Idioten da drinnen. Meine Blicke könnten töten und trotzdem spricht mich eine mutige, liebe Frau an. Sie freue sich mich kennen zu lernen, oh Mann, ich freue mich gerade nicht mich so kennen zu lernen. Ich muss plötzlich lachen. Also etwas besser gelaunt erneut zur Post. Drucker kaputt. Wer hätte damit gerechnet?! Ein netter Kerl, dem dieser Chaoten Laden auch auf den Sack geht, nimmt mich zur nächsten Poststelle mit. Er kauft mir Wasser, fährt mich nach Hause und lädt mich soeben mal zu seiner Hochzeit ein. Ein Tag in Delhi. Wo auch sonst?