Mittwoch, 12. Oktober 2011

Tughlakabad.


Sie schütteln die Köpfe. Tughlakabad. Nahin. Die Rikschas ziehen an uns vorbei. Der schlechte Ruf eilt dem Village voraus. Unserem neuen Arbeitsplatz. Ein ungutes Gefühl steigt in Carina und mir auf. Die Blicke folgen uns auf Schritt und Tritt, fast schon Gewohnheit auf den Straßen Delhis. Bisher haben wir nur Teile der riesigen Community gesehen, die aus mehreren Tausenden Bewohnern besteht. Das Dorf unterscheidet sich noch einmal zwischen einer etwas besseren Wohngegend und richtigen Slums. Überall türmt sich dort der Müll, inmitten tummeln sich Schweine, Kühe und Hunde. Auch hier hängt der Gestank in der stickigen Luft. Die Kinder sind begeistert von unserer Ankunft in dem Center. Hier wird auf dem Boden unterrichtet, es gibt kaum Platz, um sich fortzubewegen. Die Lautstärke zehrt an den Nerven. Augen voller Erwartungen. Die winzigen Räume schränken uns ein. Das Center dürfen wir nicht verlassen. Was tun mit einer Horde von aufgedrehter Kinder, die kaum Englisch sprechen? Improvisieren. Entertainen. Wir singen, wir tanzen ,wir versuchen zu kommunizieren, wir sind am Ende unserer Möglichkeiten. Die Kinder sind sehr vielfältig. Lebendig, übermütig, offen, teilweise auch schüchtern, zurückgezogen. Verschiedene Charaktere, die aufeinander treffen.  Shahin führt uns ein wenig herum in einem der Slums herum und erzählte uns über die Hintergründe dieser Menschen. Geprägt von Prostitution, Kinderarbeit und Alkoholismus. Die Armut zeichnet sich bei manchen Kindern äußerlich ab, doch ihr gesundheitlicher und psychischer Zustand lässt sich kaum einordnen. Bisher sehen wir nur den äußeren Schein. Die Geschichten hinter den vielen Gesichtern liegen noch im Dunkeln. Neugierig werden wir beobachtet. Uns kommen drei lachende Kinder entgegen. Schmutzige Hände packen unsere Finger, ziehen uns mit sich mit. 
Im Chaos der Gefühle. Dünne Kinder, Müllberge zwischen denen Zelte aufgespannt sind, trübe Augen, in die das Hineinblicken fast weh tut. Beeindruckend und zutiefst traurig. Ich fühlte mich in diesem Moment einfach betäubt. Shahins Worte über die Landlords, die von diesen armen Menschen auch noch Geld verlangen, um in diesen furchtbaren Verhältnissen zu leben, schüren die Wut in meinem Körper. Fassungslosigkeit.
„I love my India “ ertönt es in meinem Kopf aus den Mündern der Kinder. Welch Ironie. Wir stehen hilflos daneben.


1 Kommentar:

  1. du schreibst mit bildern. zauberschön. ich kenne delhi. ich meine ich kenne indien. doch dein schreibstil lebt nocheinmal alles in mir auf.

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