Luft, Natur, wie ich das vermisst habe. Inmitten von Bergen liegt Rishikesh, die Stadt der Yogis und Ashrams. Bekannt geworden durch den Besuch der Beatles. Der Ganges zieht sich in seiner vollen Pracht durch den Ort. Das Wasser ist klar und wild, wer hätte das gedacht. Über den Fluss führen zwei schmale Metallbrücken. Durch die Gassen ziehen sich Kleidungs- und Schmucklädchen. Der Ort zieht aus aller Welt Menschen an. Inmitten der Massen begegnen wir häufig anderen Backpackern. Ein kurzes Lächeln hüpft über die Lippen. So, so auch auf der Suche nach neuen Erfahrungen.
Überall findet man eine Unterkunft, sowie kleine Cafés, des Öfteren mit der Aufschrift „German Bakery“. Zimtschnecken. Der absolute Wahnsinn. Ein Cappuccino mit Blick auf das schimmernde Wasser. Niemand möchte an die Rückreise denken. Die Affen belagern die Brücke, was früher oder später ja dazu führen musste, dass mir ein Affe die Tüte Äpfel aus der Hand reißt. Drecksack, aber mit dem Kleinen lege ich mich lieber nicht an. Eine Gruppe von Hare Krishnas laufen durch die Straßen. Wir werden Beobachter einer Beerdigung, die weitere Zuschauer findet. Der Gesang erfüllt die Straße, wir setzten uns auf die Treppe, die zum Ganges hinunter führt. Die Kleider des Verstorbenen werden in dem heiligen Fluss gewaschen, bis die Asche schließlich übergesetzt wird.
Bei einem Spaziergang entdeckten wir eine kleine Bucht. „No Bikini, Holy Place“. Direkt am Wasser ließen wie uns auf den Steinen nieder. Endorphine hüpften durch meinen Körper. Ein mystischer Augenblick. Die Füße in das eiskalte Wasser getunkt, umgeben von den grünen Bergen, tanzte das Licht auf dem Wasser. Frische Luft strich über mein Gesicht. Und da war sie, die Ruhe. Eingehüllt in diese Atmosphäre, verloren sich Zeit und Gedanken. Eine Traumsequenz.
Zum Ausklingen des erholsamen Kurzurlaubs, wollten wir uns noch eine letzte Lasagne gönnen, die nicht nur köstlich schmeckte, sondern auch unseren Aufenthalt verlängerte. Wir verpassten unseren Zug, oder besser gesagt, wir versuchten erst gar nicht ihn noch zu bekommen. Anstatt uns zu ärgern konnten wir nur über uns selbst lachen.
Das kalte Wasser schwappt ins Boot, klatscht mir gegen den Körper. Das Gummiboot treibt den Ganges entlang. Zwischen den starken Strömungen ziehen sich unendlich schöne Strecken durch die Natur. Unsere beiden Begleiter geben uns ein Zeichen. Hier können wir ins eisige Wasser gleiten, in dem heiligen Fluss baden. Ich reiche einem von ihnen die Hand, er packt mich an der Weste. Hau Ruck, wie einen dicken Fisch zieht er mich an Board. Erneut gelangen wir an eine wilde Stelle, das Boot senkt sich zur Seite, die Wellen bringen uns ins Wanken. Zu unserer rechten Seite ragen Klippen empor. Die beiden Kameraden zeigen hinauf. „Come on, let’s jump down.” Nach vorne hin eröffnet sich ein wunderbarer Blick auf die Berge. Ich kann jedoch nur herab blicken. Süße 7m. Das Adrenalin schießt durch meinen Körper. 1, stell dich nicht so an!, 2, Moment, muss ich etwas beachten? Er zuckt die Schultern „ I don’t know.“, 3, Ich blicke nach vorne. Ein Schritt und ich falle. Das Wasser empfängt mich mit kalten Armen, jedoch nicht so sanft wie erwartet. Wer hätte gedacht, dass es so befreiend sein kann, den Boden unter den Füßen zu verlieren?
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen