“It´s a fake!” Zwei Typen rennen Lena, Carina und mir hinterher. Sie halten uns ihre Ausweise vor die Nasen. „You´ve got ripped off“. Das kann doch einfach nicht sein, verdammt. Buche niemals in irgendeinem x-beliebigen Reisebüro einen Trip, denn eins ist sicher: Du wirst verarscht. Wir glücklicherweise nicht. Der Trip kann beginnen.
In dem dämmrigen Licht der Laternen häufen sich die Massen vor der Railwaystation. Familien in Aufbruchstimmung. Wir schlängeln uns durch Koffer und Menschen hindurch zur Sicherheitskontrolle. Am Gleis angekommen ist Achtung geboten. In dem Chaos wird man leicht auf die Schienen geschubst. Die Nächte werden langsam kühl, Mützen zieren die Köpfe und die Wollpullis werden ausgepackt. Ein lustiger Anblick in dem doch so heißen Delhi. Die verschiedenen Klassen, in die der Zug eingeteilt ist, zeigen sich schon am Bahnsteig. Der Kontrast zwischen Arm und Reich ist allgegenwärtig. Die einen leisten sich die Sleeperclass, welche wohl kaum luxuriös ist, im Gegensatz zu dem Rest froh über jeden Platz ist, den sie ergattern können. Während wir zuvor an jeder Ecke sparen wollten, sind wir nun dankbar über einen Schlafplatz. Die Betten hängen übereinander. Ich klettere hoch, der Zug nimmt fahrt auf. Die Nacht ist kalt, die Luft von Fürzen durchzogen. Mir ist übel, doch ich finde ein wenig Schlaf. Meine Blase drückt, um die Toilette komme ich nicht herum. Verdammt. Beim herunterklettern trete ich dem Schnarchsack im Flur fast auf sein Gesicht. Ich steige über den dicken Bauch hinweg, stolpere zum Klo. Bloß nichts anfassen. Der Zug wackelt so heftig, dass ich fast in das Stehklo falle. Schnell zurück. Carina weckt mich plötzlich. Scheiße wir müssen raus. Schnell. Der Zug steht, wir drängen uns durch den Flur. Am Ausgang angekommen. Fehlalarm. Fast wären wir am Arsch der Welt ausgestiegen. Wie konnten wir auch davon ausgehen, dass der Zug pünktlich ankommt?! Weiter mit dem Bus.
Die Fenster sind verschmiert, der Lack blättert von dem Metall, hoffentlich fällt die Kiste nicht auseinander „Der ist doch bestimmt 50 Jahre alt“. Nun denn, er bringt uns zu unserem Ziel. Eine junge Inderin setzt sich neben mich, es ist früh morgens, alle sind todmüde. Sie legt ihren Kopf auf meine Schulter und schläft ein. Gut, dann werde ich das auch mal tun. Mit einem Ruck knallen meine Knie und der Kopf gegen den Vordersitz. Ahh, was ist denn da los? Ach nichts, der Busfahrer hat nur ein geparktes Motorrad umgefahren. Na wenn es sonst nichts ist, kann es ja weiter gehen. Der Bus brettert den Holperweg entlang. Egal wie ich mich versuche hinzusetzten, mein Kopf knallt gegen den Sitz oder gegen das Fenster. Kurz vor einem Schleudertrauma. Was jedoch für das Verkehrsmittel spricht: Wir können für umgerechnet 3 Euro ca. 250 km weit fahren. Nicht schlecht. Da stimmt einfach das Preisleistungsverhältnis.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen